Herrnhuter Stern

Im Jahre 1722 kamen Exultanten, also wegen ihres protestantisch-christlichen Glaubens vertriebene Glaubensbrüder in die Obere Lausitz und fanden Zuflucht auf dem Gut Herrenhut des ganz im Geist des Pietismus erzogenen Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf.
Das waren deutschsprachige Auswanderer aus Mähren. Sie gründeten dort eine der Kreuzestheologie und der persönlichen Gemeinschaft mit Christus verpflichteten Handwerkerkolonie.
Hieraus bildete sich 1727 eine selbständige Evangelische Brüderkirche, deren Leitung von Zinzendorf übernahm. Trotz seines Widerspruchs spaltete sich aber diese Gruppe von der evangelischen Kirche ab. Sie nannte sich später Herrnhuter Brüdergemeine oder auch Erneuerte Brüderunität und verharrte in der Tradition der Böhmischen Brüder.

Ab 1737 breitete sich diese Gemeinschaft in Deutschland aus und fasste danach auch in den Niederlanden, der Schweiz, Dänemark, Livland und Schweden, selbst in Amerika Fuß.
Dies war besonders dem Grafen Zinzendorf zu verdanken, der nach seiner Verbannung aus Sachsen (1736-1748) auf Reisen durch Europa weitere Brüderkirchen gründete und auch am Aufbau verschiedener Gemeinden in Pennsylvania beteiligt war. Zu den wichtigsten Aufgaben der Herrnhuter Brüdergemeine zählten die Missionstätigkeit, ferner die Diaspora- und Erziehungsarbeit. Heute zählt die christozentrisch geprägte Gemeinschaft etwa 500.000 Mitglieder. Unitätskonferenz und Generalsynode bilden die obersten Leitungsgremien dieser übernationalen Freikirche, die jedoch auf eine gute Verbindung zu den jeweiligen Landeskirchen bedacht ist. Im deutschen Sprachraum sind die Herrnhuter Losungen bekannt, die, auf ausgesuchte alttestamentarische Bibeltexte zurückgehend, jedem Christen eine tägliche Hausandacht ermöglichen sollen.

Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts ist der Herrnhuter Stern auch heute noch
in vielen Familien und Gemeinden auf der ganzen Welt ein beliebter Advents- und Weihnachtsschmuck.
Seine Entstehungsgeschichte liegt ein wenig im Dunklen, aber man weiß, dass der erste Stern dieser Art in der Unitäts-Knabenanstalt der Herrnhuter Brüdergemeine in Niesky (Oberlausitz) gebaut wurde.
Eine mündlich überlieferte Entstehungsgeschichte erzählt von einem mathematisch versierten Erzieher, der, um den Jungen die Mathematik zu veranschaulichen, sie mit Schneiden und Kleben von Vierkantkörpern (Polyedern) beschäftigte. Mit den auf den Flächen angesetzten Pyramiden seien dann die Sterne entstanden.
Anfangs wurden sie mit Rüböllämpchen beleuchtet, welches im Laufe der Zeit dann durch Petroleum und schließlich durch die Glühbirne ersetzt wurde.
Weitere schriftliche Zeugnisse liefert dann Samuel Baudert in seinem Bericht über den ersten Adventssonntag 1887 in der Missionsknabenanstalt von Kleinwelka. Ein von Lehrern gefertigter erleuchteter Adventsstern gehörte dazu.

Rund zehn Jahre später gibt es die ersten Herrnhuter Sterne im Handel. Der Geschäftsmann Pieter Hendrik Verbeek organisierte die Herstellung und den Vertrieb. Auch dazu gibt es eine kleine Geschichte:
Ein Soldat fertigte für seine Kameraden in der Kasernenstube einen Stern. Die Mannschaft und die Vorgesetzten des jungen Mannes fanden Gefallen an dem Stern und schließlich hörte ein Buchbinder in der Stadt von dem Sternbauer. Er bat ihn, so viele Sterne wie nur möglich zu bauen und im Jahr darauf hingen acht prächtige Adventssterne im Schaufenster des Buchbinders; natürlich waren sie bald verkauft.
Neben der industriellen Herstellung blieben aber die Brüderischen Knabenanstalten die eigentlichen Zentren der "Sternelei". Hier bietet die Gemeinde für Jungen und Mädchen, die nicht bei ihrer Familie weilen können, vorweihnachtliches Erleben mit Adventsfeiern in den Internaten. Die verschiedenen "Stuben" versuchen sich gegenseitig in der Herstellung von kunstvollen Raumschmuck zu überbieten.
Aber nicht nur in den Internaten sondern auch im Schulunterricht und in eigens in der Adventszeit angebotenen Bastelgruppen werden auch heute noch in mühevoller Arbeit Herrnhuter Sterne von den Schülern gebaut. Aus speziellem Sternpapier werden Körper und Zacken geschnitten, gefaltet und geklebt. Ein Glühlämpchen bringt den Stern zum Leuchten. Und so wie die Lebenswege der ehemaligen Schüler um die ganze Welt gehen, hat auch der Herrnhuter Stern Freunde auf allen Kontinenten. So gibt es zum Beispiel in Kanada eine Seniorengruppe, die sich das ganze Jahr über regelmäßig trifft, um Sterne zu bauen. Die Kunstwerke werden in den USA verkauft, der Erlös kommt der Missionsarbeit zugute.

Jedes Jahr, schon Wochen vor der Adventszeit, beginnen auch die Schülerinnen und Schüler der Königsfelder Zinzendorf-Schulen im Unterricht und in den Internaten, Sternkörper und Zacken zu bauen. Die Schul- und Internatsgebäude werden in der Vorweihnachtszeit mit Herrnhuter Sternen geschmückt.

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