Bibelgespräch im Martin-Luther-Haus

Bibelgespräch im Martin-Luther-Haus

Datum:23.09.2010
Zeit:9.30 Uhr
Ort:Warendorf
Leitung:Pfr. Herwig Behring

1. Soll ich meinem Gott nicht singen? / Sollt ich ihm nicht dankbar sein? / Denn ich seh in allen Dingen, / wie so gut er's mit mir mein´. / Ist doch nichts als lauter Lieben, / das sein treues Herze regt, / das ohn Ende hebt und trägt, / die in seinem Dienst sich üben. / Alles Ding währt seine Zeit, / Gottes Lieb in Ewigkeit.

2. Wie ein Adler sein Gefieder / über seine Jungen streckt, / also hat auch hin und wieder / mich des Höchsten Arm bedeckt, / alsobald im Mutterleibe, / da er mir mein Wesen gab / und das Leben, das ich hab / und noch diese Stunde treibe. / Alles Ding währt seine Zeit, / Gottes Lieb in Ewigkeit.

3. Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer, / nein, er gibt ihn für mich hin, / dass er mich vom ewgen Feuer / durch sein teures Blut gewinn. / O du unergründ’ter Brunnen, / wie will doch mein schwacher Geist, / ob er sich gleich hoch befleißt, / deine Tief ergründen können? / Alles Ding währt seine Zeit, / Gottes Lieb in Ewigkeit.

4. Seinen Geist, den edlen Führer, / gibt er mir in seinem Wort, / dass er werde mein Regierer / durch die Welt zur Himmelspfort; / dass er mir mein Herz erfülle / mit dem hellen Glaubens- licht, / das des Todes Macht zerbricht / und die Hölle selbst macht stille. / Alles Ding währt seine Zeit, / Gottes Lieb in Ewigkeit.

5. Meiner Seele Wohlergehen / hat er ja recht wohl bedacht; / will dem Leibe Not entstehen, / nimmt er’s gleichfalls wohl in Acht. / Wenn mein Können, mein Vermögen / nichts vermag, nichts helfen kann, / kommt mein Gott und hebt mir an / sein Vermögen beizulegen. / Alles Ding währt seine Zeit, / Gottes Lieb in Ewigkeit.

6. Himmel, Erd und ihre Heere / hat er mir zum Dienst bestellt; / wo ich nur mein Aug hinkehre, / find ich, was mich nährt und hält: / Tier und Kräuter und Getreide; / in den Gründen, in der Höh, / und den Büschen, in der See, / überall ist mein Weide. / Alles Ding währt seine Zeit, / Gottes Lieb in Ewigkeit.

7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen / und ermuntert mein Gemüt, / dass ich alle liebe Morgen / schaue neue Lieb und Güt. / Wäre mein Gott nicht gewesen, / hätte mich sein Angesicht / nicht geleitet, wär ich nicht / aus so mancher Angst genesen. / Alles Ding währt seine Zeit, / Gottes Lieb in Ewigkeit.

8. Wie so manche schwere Plage / wird vom Satan rumgeführt, / die mich doch mein Lebetage / niemals noch bisher gerührt. / Gottes Engel, den er sendet, / hat das Böse, was der Feind / anzurichten ist gemeint, / in die Ferne weggewendet. / Alles Ding währt seine Zeit, / Gottes Lieb in Ewigkeit.

9. Wie ein Vater seinem Kinde / sein Herz niemals ganz entzeucht, / ob er gleich bisweilen Sünde / tut und aus den Bahnen weicht: / Also hält auch mein Verbrechen / mir mein frommer Gott zu gut, / will mein Fehlen mit der Rut / und nicht mit dem Schwerte rächen. / Alles Ding währt seine Zeit, / Gottes Lieb in Ewigkeit.

10. Seine Strafen, seine Schläge, / ob sie mir gleich bitter seind, / dennoch, wenn ich’s recht erwäge, / sind es Zeichen, dass mein Freund, / der mich liebet, mein gedenke / und mich von der schnöden Welt, / die uns hart gefangen hält, / durch das Kreuze zu ihm lenke. / Alles Ding währt seine Zeit, / Gottes Lieb in Ewigkeit.

11. Das weiß ich fürwahr und lasse / mir’s nicht aus dem Sinne gehn: / Christenkreuz hat seine Maße / und muss endlich stillestehn. / Wenn der Winter ausgeschneiet, / tritt der schöne Sommer ein; / also wird auch nach der Pein, / wer’s erwarten kann, erfreuet. / Alles Ding währt seine Zeit, / Gottes Lieb in Ewigkeit.

12. Weil denn weder Ziel noch Ende / sich in Gottes Liebe find’t, / ei so heb ich meine Hände / zu dir, Vater, als dein Kind, / bitte, wollst mir Gnade geben, / dich aus aller meiner Macht / zu umfangen Tag und Nacht / hier in meinem ganzen Leben, / bis ich dich nach dieser Zeit / lob und lieb in Ewigkeit.

 

Psalm 139 1 Für den Chormeister. Von David. Ein Psalm.
HERR, du hast mich erforscht, und du kennst mich.
2 Ob ich sitze oder stehe, du weisst es,
du verstehst meine Gedanken von fern.
3 Ob ich gehe oder liege, du hast es bemessen,
und mit allen meinen Wegen bist du vertraut.
4 Kein Wort ist auf meiner Zunge,
das du, HERR, nicht ganz und gar kennst.
5 Hinten und vorne hältst du mich umschlossen,
und deine Hand hast du auf mich gelegt.
6 Zu wunderbar ist es für mich, dies zu erkennen,
zu hoch, ich kann es nicht fassen.
7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist
und wohin fliehen vor deinem Angesicht?
8 Stiege ich hinauf zum Himmel, du bist dort,
und schlüge ich mein Lager auf im Totenreich, sieh, du bist da.
9 Nähme ich die Flügel der Morgenröte
und liesse mich nieder am äussersten Ende des Meeres,
10 auch dort würde deine Hand mich leiten
und deine Rechte mich fassen.
11 Und spräche ich: Finsternis breche über mich herein,
und Nacht sei das Licht um mich her,
12 so wäre auch die Finsternis nicht finster für dich,
und die Nacht wäre licht wie der Tag,
Finsternis wie das Licht.
13 Denn du bist es, der meine Nieren geschaffen,
der mich im Leib meiner Mutter gewoben hat.
14 Ich preise dich, dass ich so herrlich, so wunderbar geschaffen bin;
wunderbar sind deine Werke,
meine Seele weiss dies wohl.
15 Mein Gebein war dir nicht verborgen,
als ich im Dunkeln gemacht wurde,
kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde.
16 Noch bevor ich geboren war, sahen mich deine Augen,
in deinem Buch war alles verzeichnet,
die Tage waren schon geformt,
als noch keiner von ihnen da war.
17 Mir aber, wie schwer sind mir deine Gedanken, Gott,
wie gewaltig ist ihre Zahl.
18 Wollte ich sie zählen, es wären mehr als der Sand,
wache ich auf, ist mein Sinn noch bei dir.
19 Wolltest du, Gott, doch den Frevler töten!
Ihr Mörder, weicht von mir.
20 Sie sprechen von dir voller Tücke,
es erheben sich deine Feinde im Wahn.
21 Sollte ich nicht hassen, HERR, die dich hassen,
sollten mich nicht ekeln, die sich gegen dich auflehnen?
22 Ich hasse sie mit glühendem Hass,
auch mir sind sie zu Feinden geworden.
23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz,
prüfe mich und erkenne meine Gedanken.
24 Sieh, ob ein gottloser Weg mich verführt,
und leite mich auf ewigem Weg.